Als begleitende Vernetzungs- und Transfermaßnahme zur Bekanntmachung „Digitalisierung in der Nutztierhaltung“ sollte eine hohe Sichtbarkeit und nachhaltige Breitenwirksamkeit der geförderten Verbundprojekte und der Fördermaßnahme sichergestellt sowie die Innovationsprozesse und der Wissenstransfer der Verbundprojekte unterstützt werden. Nach fünf Jahren kann nun ein Fazit gezogen werden.
Neue Kontakte und Kooperationen durch gezielte Vernetzung
Durch gezielte Vernetzungs- und Transferformate entstanden neue Kontakte, Kooperationen und gemeinsame Aktivitäten zwischen den Projekten. Ein besonderer Mehrwert lag darin, Kompetenzen sichtbar zu machen und Synergien gezielt zu nutzen. Der Austausch zu Technologien, Anwendungsfeldern und Herausforderungen erleichterte die Entwicklung gemeinsamer Ansätze und förderte neue Kooperationen. Mehr als die Hälfte der Projekte knüpfte dadurch neue Kontakte, die über die Projektlaufzeit hinaus bestehen. 15 technologie- und themenbasierte Workshops stärkten den fachlichen Austausch sowie den Wissens- und Erfahrungstransfer und führten zu konkreten Kooperationsansätzen, gemeinsamen Praxistests und Impulsen für weitergehende Forschungs- und Entwicklungsbedarfe.
„DigiTier bietet eine einzigartige Möglichkeit, unterschiedliche Projekte kennenzulernen, sich mit Projektpartnern auszutauschen und voneinander zu lernen. Durch die offene Kommunikation ergeben sich auch weitere Möglichkeiten für weitere Projekte“.
Stefan Rosenkranz, CEO smaXtec animal care GmbH
„Durch […] DigiTier fand ein guter Austausch der verschiedenen Projekte untereinander statt. Gerade in den ersten Workshops wurde deutlich, dass [es] im Bereich Digitalisierung viele Gemeinsamkeiten, auch über die Tierarten hinweg gibt.“
Dr. Gundula Hoffmann, Leibnitz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie e.V. (ATB)
Breites Netzwerk für wirkungsvollen Ergebnistransfer
Zugleich öffnete DigiTier den Kontakt in die Branche. Durch die Vernetzung mit zahlreichen externen Projekten, Netzwerken und Initiativen konnten die Ergebnisse frühzeitig an die landwirtschaftliche Praxis, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik gespiegelt werden. Insgesamt hat DigiTier damit dazu beigetragen, Wissen zu verknüpfen, Kooperationen zu stärken sowie den Transfer der Projektergebnisse zu beschleunigen – und damit die Wirkung der geförderten Projekte zu erhöhen.
„Wille Engineering profitiert als Umsetzer von Forschungsideen in die Praxis von DigiTier. Diskussionen wie zu „Nutztierhaltung im Klimawandel“ oder „Datensouveränität“ helfen uns Innovationen zielgerichtet für AnwenderInnen zu gestalten.“
Dipl.-Ing. Sebastian Wille, Wille Engineering
Herausforderungen und Handlungsempfehlungen digitaler Ansätze in der Nutztierhaltung
Die 13 geförderten Projekte aus dem Innovationsprogramm des BMLEH verdeutlichen das große Potenzial digitaler Technologien für die Nutztierhaltung. Besonders deutlich wird der Wandel von Einzellösungen hin zu integrierten Assistenz- und Managementsystemen: Sensorik, Kameratechnik und KI werden kombiniert, um Gesundheits-, Verhaltens- und Umweltdaten zu erfassen und für landwirtschaftliche Betriebe nutzbar zu machen. Viele Lösungen weisen bereits ein hohes Praxis- und Transferpotenzial auf, insbesondere bei Anschluss an bestehende Systeme.
Die Evaluation der Förderbekanntmachung erbrachte eine Ableitung zielgruppenspezifischer Handlungsempfehlungen für Politik, den öffentlichen Sektor und Wirtschaft. Mit hoher Priorität sind hierbei Empfehlungen zur systematischen Verankerung der Querschnittsziele Datensicherheit, Datenhoheit und interoperable Dateninfrastrukturen in Förderbekanntmachungen zu nennen. Defizite in diesen Bereichen zeigen, dass die Wirksamkeit digitaler Lösungen zur Verbesserung von Tierwohl, zur Reduktion arbeitswirtschaftlicher Belastungen sowie zur Erhöhung der Rückverfolgbarkeit noch begrenzt sind. Projektübergreifende Mindestanforderungen an offene Schnittstellen, standardisierte Datenformate und klare Governance-Strukturen werden daher als notwendige Voraussetzung für Skalierbarkeit, Anschlussfähigkeit und Vermeidung weiterer Fragmentierung bewertet.
Insgesamt wird deutlich, dass die Digitalisierung der Nutztierhaltung als Systeminnovation verstanden werden muss, bei der technologische Entwicklung, Wirtschaftlichkeit und praktische Anwendbarkeit zusammengeführt werden.