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Forschen. Gründen. Frauenpower – Starke Frauen im Innovationsprogramm des BMLEH

Innovationskraft, Expertise & Unternehmer(innen)geist – über 150 Teilprojekte des Innovationsprogramms werden aktuell von Frauen geleitet, die mit Mut, Wissen und Vision die Zukunft der Land- und Ernährungswirtschaft gestalten.

Portraits der vier Projektleiterinnen Katrin Beberhold, Dr. Elisa Beitzen-Heineke, Dr. Bianca Büttner und Dr. Alina Eilers mit dem Logo "International Year of the Woman Farmer 2026" und dem Titel "Forschen.Gründen.Frauenpower - starke Frauen für starke Innovationen für Landwirtschaft und Ernährung".
© KTS Alge GmbH sowie Katrin Beberhold/Biocare Gesellschaft für biologische Schutzmittel mbH/Birgit Gleixner, LfL/Phaeosynt GmbH/BLE

Im Internationalen Jahr der Frauen in der Landwirtschaft sollen Frauen und ihr entscheidender Beitrag zum Erfolg und zur Zukunftsfähigkeit der Landwirtschaft gestärkt und sichtbar gemacht werden. Im Innovationsprogramm des BMLEH gibt es zahlreiche Beispiele von versierten Projektleiterinnen, die die Forschungs- und Entwicklungsarbeiten für eine nachhaltige, umwelt- und tiergerechte Agrar- und Ernährungswirtschaft führen. In diesem Artikel werden stellvertretend vier Frauen mit ihren Teilprojekten vorgestellt.

Sichere Diagnose von Bienenkrankheiten durch tierfreie Antiköper – Herstellung in Kieselalgen eröffnet neue Marktchancen

Im Verbundprojekt „SEA-BEE“ entwickeln die Senova Gesellschaft für Biowissenschaft und Technik mbH, das Friedrich-Loeffler-Institut Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit sowie die Phaeosynt GmbH innovative Nachweisverfahren, die eine spezifische Diagnose der Amerikanischen und Europäischen Faulbrut bei Honigbienen ermöglichen sollen. 

Dr. Alina Eilers stellt mit dem Biotech Start-up Phaeosynth GmbH, das sie nach Ihrer Promotion 2021 mitgegründet hat, verschiedene Antikörper in Kieselalgen her - als nachhaltige und tierfreie Alternative zur Herstellung in Tieren oder tierischen Zellkulturen. Projektleiterin Dr. Eilers stellt fest: „Das Projekt gibt uns die Möglichkeit, die Übertragung von einem tierischen auf unser pflanzliches System umzusetzen. Der Vergleich unserer Antikörper aus der Kieselalge mit bestehenden Systemen schafft ein besseres Verständnis unserer Technologie und eröffnet neue Marktchancen. Besonders motivierend ist für mich die Arbeit in einem diversen Team – und die Möglichkeit, als Frau in Führungsrolle innovative und nachhaltige Lösungen mitzugestalten.“ 

Der zu entwickelnde Schnelltest soll eine frühzeitige Diagnose vor Ort zur Vorbeugung und Bekämpfung der Brutkrankheit ermöglichen – nachhaltig und tierfrei.

Faszinierende Welt der Mikroalgen - nachhaltige Onshore Produktion für menschliche Ernährung

Für Katrin Beberhold, Projektleiterin im Verbundprojekt „BioProtAlgeiNO3“, ist die Welt der Mikroalgen faszinierend, „weil sie eine vielversprechende Antwort auf die wachsende Herausforderung darstellen, eine stetig zunehmende Weltbevölkerung trotz knapper und teils belasteter Wasserressourcen zu ernähren“. Im Projekt „BioProtAlgeiNO3“ arbeitet Sie als Geschäftsführerin der KTS Alge GmbH zusammen mit der Knufmann GmbH sowie der Gesellschaft zur Förderung von Medizin-, Bio- und Umwelt- Technologien e.V. an der Entwicklung eines innovativen Bioraffineriekonzepts, mit dem nitratbelastete Oberflächenwasser für die nachhaltige Onshore-Produktion von proteinreicher Mikroalgenbiomasse genutzt werden können. Hieraus sollen proteinreiche Endprodukte für die Humanernährung hergestellt werden. Gleichzeitig soll dazu beigetragen werden, die Nitratbelastung in Gewässern in besonders stark kontaminierten Regionen (rote Gebiete in Deutschland) nachhaltig zu reduzieren. „Durch interdisziplinäre Zusammenarbeit in der Forschung entstehen […] neue Ideen und Erkenntnisse, die das Potenzial von Mikroalgen als nachhaltige und ressourcenschonende Nahrungsquelle weiter erschließen“ – so Beberhold.

Innovationen im biologischen Pflanzenschutz - wirksam und wirtschaftlich

Dr. Elisa Beitzen-Heineke, geschäftsführende Gesellschafterin der Biocare GmbH, arbeitet als Projektleiterin mehrerer Innovationsprojekte mit Passion an der Entwicklung von biologischen Pflanzenschutzmitteln - für eine nachhaltige Landwirtschaft.

Im abgeschlossenen Projekt „ATTRACAP“ entwickelten neben der Biocare GmbH fünf weitere Verbundpartner (Universität Göttingen, Hochschule Bielefeld, Öko-Beratungsgesellschaft mbH, Bioland Erzeugerring Bayern e.V. und Landwirtschaftliches Technologiezentrum Augustenberg) eine biologische Lösung zur Bekämpfung von Drahtwürmern in Kartoffeln, Spargel und Süßkartoffeln. Auch im Jahr 2026 schützt das daraus entstandene, innovative Pflanzenschutzmittel ATTRACAP® Kulturpflanzen vor Drahtwürmern auf Grundlage einer Notfallzulassung. Im aktuellen Folgeprojekt „AttraCorn“ entwickelt die Biocare GmbH zusammen mit der Hochschule Bielefeld und der Universität Göttingen die bisherigen Ansätze der „Attract and Kill“ Strategie für den Einsatz im Maisanbau weiter. 

Auch im Verbundprojekt „SynCoIn“ arbeitet Dr. Beitzen-Heineke als Projektleiterin zusammen mit weiteren Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft (Institut für Zuckerrübenforschung gGmbH, Universität Göttingen, Südzucker AG, Pfeifer & Langen GmbH) an alternativen Bekämpfungsstrategien und –verfahren zur Kontrolle der Schilf-Glasflügelzikade – als Überträgerin der Zuckerrübenkrankheit „Syndrome Basses Richesses“ (SBR).

Ihr Wunsch ist es, „dass biologischer Pflanzenschutzwirksam und wirtschaftlich – selbstverständlicher Teil des landwirtschaftlichen Alltags wird. So stärken wir den Handlungsspielraum der Betriebe und nutzen die Kraft der Landwirtschaft, um drängende Zukunftsfragen aktiv anzugehen.“. 

Vielfältige Ideen und Menschen in der Agrarwissenschaft - neue Buchweizensorten für den Klimastandort Deutschland

Im fünfjährigen Verbundprojekt „FagoBreed“ werden neue Buchweizensorten gezüchtet, die an die klimatischen Bedingungen in Deutschland angepasst sind. Ziel ist es, hochwertige Buchweizenprodukte unter den klimabedingten Extremwetterereignissen zu produzieren und die Fruchtfolge zu erweitern. Das Konsortium besteht aus sechs Verbundpartnern (Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL), Universität Hohenheim, Eidgenössische Technische Hochschule Zürich, Julius Kühn-Institut, Saatzucht Streng-Engelen GmbH & Co KG und Saatzucht Steinach GmbH & Co KG) und verfolgt dabei einen ganzheitlichen Ansatz, in dem die gesamte Wertschöpfungskette vom Anbau bis zur Vermarktung gestärkt wird. Neben der Züchtung wird daher parallel an der Optimierung von Verarbeitungsprozessen gearbeitet und die neuen Sorten auf die Eignung für die menschliche Ernährung untersucht. Hierbei übernimmt Dr. Bianca Büttner nicht nur die Projektleitung des Teilvorhabens der LfL, sondern stellt zugleich als Verbundkoordinatorin die erfolgreiche Zusammenarbeit der Partner sicher. Für Dr. Büttner sind wissenschaftliche Exzellenz, strategisches Denken und praktische Züchtungsarbeit nicht an Geschlechtergrenzen gebunden: „Meine Arbeit verbindet präzise molekulare Analysen mit praxisnahen Züchtungsentscheidungen und ich setze mich dafür ein, dass Innovationen in der Agrarwissenschaft vielfältiger werden – in ihren Ideen und in den Menschen, die sie voranbringen“.