Im Rahmen des Verbundvorhabens „Nutzbarmachen innovativer endophytischer Wurzelpilze in Saatgutbehandlungen zur Stärkung von Gemüsekulturen mit dem Ziel der Erhöhung pflanzlicher Toleranz gegenüber biotischem und abiotischem Stress (InnoEndophyt)“ erhielt das Start-up Seed Forward GmbH eine Förderung im Programm zur Innovationsförderung. Durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Wirtschaft und Wissenschaft haben die ambitionierten Ziele des Vorhabens nicht nur zu wertvollen Erkenntnissen aus der Forschung geführt, sondern zu Patentanmeldungen und Erweiterung von Geschäftsfeldern sowie der Etablierung des Start-ups auf dem Markt als KMU. Untersucht wurde die Wirkung von Endophyten (Pilzen) auf das Pflanzenwachstum unter biotischen und abiotischen Stressbedingungen in verschiedenen Gemüsearten. Die Ergebnisse des Vorhabens zeigen, dass eine einheitliche Formulierung für alle Kulturen aufgrund physiologischer Unterschiede – etwa bei Nährstoffbedarf und Symbioseverhalten – ungeeignet ist, da es nicht bei allen Gemüsearten zu einer Verbesserung im Aufwuchs in Gewächshaus und Freiland führt. Entsprechend wurden kulturspezifische Formulierungen erstellt, um geeignete Lebensbedingungen zu schaffen, die eine positive Wechselwirkung zwischen Endophyt, Pflanze und Umwelt (Boden/Flüssigkeit) ermöglicht. Zudem wurde untersucht, welche wachstumsfördernden Substanzen und Trägerkomponenten, wie z.B. Mikronährstoffe und Polymerträger, die Formulierung sinnvoll ergänzen. Abschließend wurden Untersuchungen zu Lagerbedingungen durchgeführt, um zu prüfen, wie lange die Saatgutbeschichtungen mit dem Endophyten funktionsfähig bleiben und ihre Wirkung beibehalten können.
Am Ende des Vorhabens stehen zwei Produkt-Prototypen (CANOLAGUARD® und VEGGIEGUARD®) zur Verfügung, die zu einer Verbesserung der Wurzelfrischmasse bzw. Blattmasse führen und die Keimgeschwindigkeit fördern. Die entwickelten Prototypen erwiesen sich als technisch robust. Die Produkte sollen künftig über die Firma Seed Forward GmbH als Pflanzenstärkungsmittel erwerbbar sein. Diese unterliegen damit nicht den strengen Auflagen eines Pflanzenschutzmittels und stellen eine Alternative zum Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln dar. Neben dieser wirtschaftlichen Verwertung besteht eine wissenschaftliche Anschlussfähigkeit besonders durch die Übertragbarkeit auf andere Kulturen und die weitere Isolation neuer Endophyten.
Insbesondere vor dem Hintergrund der Bekanntmachung „Förderung von Innovationen nicht-chemischer Pflanzenschutzverfahren im Gartenbau“ stellt die Verwendung natürlicher Wurzelendophyten in Form von kombinierter Saatgutbeschichtung eine nachhaltige Schonung von natürlichen Ressourcen (Boden, Wasser) und eine zielgenaue Versorgung der Pflanze dar. Durch die inhaltliche Erweiterung des Vorhabens wurden im Rahmen der Vertical-Farming Strategie des Bundes hydroponische Versuche ergänzt und ein zukunftsfähiger Einsatz der Endophyten untersucht.
Das Konsortium wurde gebildet durch die Seed Forward GmbH (Osnabrück), die Steinbeis Innovation gGmbH – Steinbeis-Innovationszentrum Organismische Mykologie und Mikrobiologie (Tübingen), sowie die Hochschule Osnabrück, Fakultät Agrarwissenschaften und Landschaftsarchitektur, Labor für Phytomedizin im Gartenbau (Osnabrück).